Kultur Fibel Magazin
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Ute Lemper
im Gespräch mit
Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin
Damit ist der Kurt-Weill-Bogen näher bei Ute Lemper als Cabaret?
Natürlich, diesen Theaterabend habe ich selbst ausgedacht und zusammengestellt. Ich habe in Weills Musik und Leben monatelang herumge-stöbert und herauskristallisiert, was mich am meisten berührt. Außerdem bin ich jetzt 28, damals, bei den Cabaretaufführungen war ich 24 Jahre. In vier Jahren passiert unheimlich viel. Man hat nicht mehr so viel Glitter an, sondern trägt das Herz am rechten Fleck. So bin ich und nicht anders!

man müsse als Deutscher immer Stiefel und einen Schnurrbart tragen. Die deutsche Kultur, die ich dem Publikum mit Weill-Liedern näherzubringen ver-suche, stammt leider aus den 20er Jahren. In der heutigen deutschen Musik und Chansonkultur finde ich nicht unbedingt das, was ich singen möchte. Das müßte schon neu geschrieben werden, für mich oder von mir.

Nach den Theaterabenden im Schauspielhaus Düsseldorf, mit "Die sieben Todsünden" flogen Sie zum Jerusalemfestival, ohne ein obligatorisches Holocaust-Stück im Gepäck. Wie war die Reaktion in Israel?

Sehr gut. Es war für mich als Deutsche etwas ganz besonderes, dort Kurt Weill zu singen. Das Festival war gut besucht, ich glaube, es waren alles Juden. Zu diesem internationalen Theaterfestival hatten die Teilnehmer alle Stücke mitgebracht, in denen das Judenproblem, der Holocaust und der Antisemi-tismus angesprochen wurde. Erstaunt hat mich, wie bekannt die Lieder von Weill und Brecht waren, die mit Begeisterung aufgenommen wurden. Ich hatte das Gefühl, ich bringe vielen etwas zurück. Es war sicher auch sehr wichtig, daß eine junge Deutsche diese von den Nazis denunzierte Musik, von entar-teten Künstlern, heute wieder singt, nicht nur, weil schon wieder gewisse Konflikte und Gefahren in der Gesellschaft zu beobachten sind.

Ein Journalist hat geschrieben, Musiktheater sei die Richtung,
in die Sie wollen.
Ist das so?

I don't know. Wer weiß? Die Oper Montreal möchte zum Beispiel, daß ich dort die Rolle der Salome über-nehme. Marcel Marceau möchte mit mir "Lulu" von Albert Berg inszenieren. Aber das sind Dinge, die schiebe ich immer noch weg. That's too early.

etwas zu kreieren. Ich liebe es, etwas Neues auszudenken. Mein Ziel: immer mehr an den Kreationen teilhaben und selbst die Verantwor-tung tragen, auch wenn es ein Irrtum ist.

Warum wählten Sie London als Wohnsitz?

Es war meine Arbeit. Vor drei Jahren gab ich vier Konzerte mit dem London Sinfonie Orchestra, zweimal "Die sieben Totsünden", ein Weill-Abend und ein Berlin-Abend. Nach Auftritten mit dem Royal Philharmonic Orchestra folgten weitere Konzerte. Konzertverpflichtungen hatte ich zu dieser Zeit in Spanien und Italien, dort erfüllte sich mein lang gehegter Wunsch im Theatro Piccolo, dem Theater von Giorgio Strehler aufzutreten. Zurück in London hatte ich ein wunderbares Konzerterlebnis - ich war allein auf der Bühne, nur mit dem Klavier, in dem großen Sinfoniehaus der Royal Festival Hall in London. Im vergangenen Jahr wurde ich für den Laurence-Oliver-Award nominiert. So lebe, und erlebe ich seit 2 Jahren London und war in dieser Frist höchstens zwei Monate zu Hause in Deutschland. Leider wurde bei mir im letzten Jahr zweimal eingebrochen, London hat eine hohe "crime rate" bekommen, das dämpft meine Begeisterung.

Sind die Kurt-Weill-Abende für Sie Höhepunkte?
Sicherlich sind sie die Erfüllung eines Wun-sches. Aber Höhepunkte hängen nicht nur vom äußerlichen Erfolg ab, es gibt sie auch im Studio, in der Natur, zu Hause am Schreibtisch.

Höhepunkte ereignen sich, wenn sie mir eine neue "Tür" öffnen, wenn ich eine neue Sache entdecke, und wenn ich merke, daß ich eine Antwort erhalte, und sei es nur eine kleine.
Ute Lemper
Ute Lemper

Sie muten den Engländern und den Franzosen mit Ihren Weill-Abenden
viel Deutsch zu!

Der Abend ist ausgeglichen dreisprachig, deutsch, französisch und englisch. Ich fühle mich als jemand der die Möglichkeit hat, das Vorurteil zu brechen, daß die deutsche Sprache häßlich und faschistisch ist. Viele Engländer und Franzosen haben ja immer noch das Vorurteil,
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