Kultur Fibel Magazin
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Ute Lemper
Ute Lemper
im Gespräch mit
Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin

Im gleichen Jahr spielte ich die Marie Antoi-nette in dem französischen Film "Die letzten drei Tage der Marie Antoinette" und die Hauptrolle in "L'Autrichienne". In Paris lernt man auch, wo die Piaf und Juliette Grecco, wo diese ganze Theater- und Chasongeschichte aus Frankreich ihre Wurzeln hat. Ich habe vier Tage im ausverkauften Olympia gespielt, ein tolles Erlebnis für mich.

Für die zweite Frage bin ich nicht ihr Ansprechpartner.

Mit dem Kurt-Weill-Abend,
dem Kurt-Weill-Bogen, gingen Sie auf Tournee?
Meine Tournee der Kurt-Weill Abende, vor zwei Jahren, führte über Tokio, Hongkong, zwei Großstädte in Australien, 6 Großstädte in den Staaten und 2 in Kanada.

Mittlerweile war meine Weill-Platte in den USA die No. 1 in den cross-over-charts, für über 40 Wochen.

Dieser Weill-Bogen ist ein Erfolgsbogen.
Im Januar 1990, nach dem Fall der Mauer, gastierte ich mit meinem Weill-Abend im Berliner Ensemble (Brecht-Theater). Das war für mich überhaupt der Wahnsinn. Ich wollte sehr gern dort auftreten. Zu dieser Zeit war Manfred Weckwerth noch Inten-dant. Ich war froh ihn zu treffen und erstaunt, dass sie einen westdeutschen Interpreten in ihr Theater ließen. Ich denke, an diesem Abend waren viele junge Leute da, die Weill nie so gehört hatten, die keinen französischen, oder amerikanischen Weill kannten. Sie kannten vor allem den brecht'schen Weill. Sie waren überrascht, daß sie den ganzen Spannbogen von Weill anders interpretiert hören konnten. Für mich war es immer der Grund, Weill zu singen, mit seiner gesamten Spannbreite von aggressiver, politischer, deutscher Musik, zu sehr melancholischer, sehr femininer, verlorener, existentialistischer Chansonkultur, bis zu seiner more-entertainment-swinging-Broadway-Seite, die er später in den Staaten entwickelt hat. Weill hat wesentlich das moderne Musiktheater des 20. Jahr-hunderts mitgeprägt. Und eben dieser ganze Bogen hat mich besonders interessiert, u. a. weil ich gern in deutsch, englisch und französisch singe, und ich konnte gut in diese drei Welten, Berlin, Paris, New York hineinschlüpfen.
Mein Tourneeplan wurde in Deutschland noch auf Cottbus, Dresden und Leipzig erweitert.

War das Publikum im ehemaligen kommunistischen Deutschland, nach dem Fall der Mauer, ein dankbares Publikum?

Sie waren sehr aufmerksam und dankbar, und das meine ich nicht ironisch. Vielleicht waren sie auch dankbar, weil ich die Lieder emotional singe und ohne Zeigefinger, nicht didaktisch. Das hat wohl die Zuhörer überrascht.
Ute Lemper
Ute Lemper in den Film: "L'Autrichienne"

Eine sehr schöne Situation habe ich im Berliner Ensemble erlebt. Die Vorstellung war um 23:00 Uhr zu Ende. Anschließend saßen wir, im Schneidersitz, auf dem kalten Steinboden und diskutierten Stunden mit Leuten aus dem Publikum über die politische Situ-ation.

Sie sagten einmal, Sie seien eine Darstellerin, keine Entertainerin. Können Sie das bestätigen?

Ich will da keine Grenzen ziehen oder Prinzipien äußern. Ich halte alles für möglich. Beides ist im Spektrum meiner Lust und Laune. Wenn ich Lust habe, ein Entertainmentabend mit Georg Gershwin oder Cole Porter zu machen, dann mach' ich es bestimmt. Aber ich bin nicht eine Entertainerin, die die Leute beschwipst macht mit Witzen. Was mich wirklich interessiert: jede Arbeit im kleinen Zimmer mit Komponisten, Musikern und Lichtdesignern, um

Ute Lemper
in den Film "L'Autrichienne"
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