Kultur Fibel Magazin
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Ute Lemper
im Gespräch mit
Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin
Ute Lemper, privat, Foto: Arma

Stück, eine gewisse Rolle spielt. Es geht um diesen Roman und die heutige Bearbeitung von Tankred Dorst, die hat nichts mit dem Film zu tun. Natürlich gibt es in der Handlung Parallelen. Aber die Geschichte ist viel mehr weiterentwickelt und viel mehr dem Roman verpflichtet.

Gibt der Regisseur Zadek
alles vor, jeden Schritt und entstehen
Probleme mit Ihrer Auffassung?

(
Zadek rührt den Seifenschaum, bei Lola Müthe
l)
Unsere Zusammenarbeit ist kreativ, sie ist wunderbar. Er hat einen riesigen Erfahrungsschatz, hier bleibt kein Spielraum für Probleme.

Er überläßt es mir und sagt manchmal "mach mal", und dann ist seine Kritik konstruktiv, nie destruktiv. Es ist eine wunderbare Arbeit, in die ich direkt verliebt bin, in die Arbeit, in die Gestaltung der Lola Kröhlich. Ich glaube, bei der Arbeit mit Zadek werde ich erstmals die Spielszenen im Theater lieben, weil er mich richtig an die Arbeit heranführt. Und die "Theaterfamilie", die wir sind, ist gerade das, was mir mal wieder gefehlt hat, mal wieder in ein Ensemble einzutreten und darin
aufzugehen, daß man sich anpackt, sich riecht und einander spürt, miteinander lacht und heult.
Brecht/Weill welche Faszination
empfinden Sie bei den Liedern.
Für wie zeitgemäß halten
Sie diese Texte und Musik?
In den 20er Jahren hat der Marxist Brecht (Anm. Kom-munist) anders geschrieben, als in den 30er Jahren. Er mußte jeweils anders schreiben, aufgrund der Erfah-rungen des ersten Weltkrieges, und nach 1945, auf-grund seiner Erfahrungen des zweiten Weltkrieges
(Anm. Redaktion:
Er verleugnete seine " kommunistische Einstellung", für eine Genehmigung der Aufführungsrechte der "Dreigroschen Oper" in den USA)
.
Er stellte sich auf die Seite des sozialistischen Teil von Deutschland, mit seiner Hoffnung, es würde das bessere Deutschland werden. Inzwischen hat sich vieles als Utopie erwiesen. Aber ich glaube, Brechts Liedertexte sind so philosophisch und so allgemeingültig von der Essenz her, vom humanistischen Anliegen, daß sie heutzutage übertragbar sind auf aktuelle Systeme (Anm.:siehe Schlußnote >soz.Entropie<, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny), auf gesellschaftliche Situationen, wo diktatorische Symptome herrschen, sie sind übertragbar auf die Stasi, auf die Hierarchie und auf das ausgebeutet sein in der sozialistischen Gesellschaft, wie auf die kapitalistische. Sie lassen sich auf alles übertragen, wo Druckmaßnahmen und Terror herrschen, auf Situationen, wo Menschen sich selbst entfremdet sind, weil sie gewissen Symptomen von Kapital oder von Erziehung oder ähnlichem dienen müssen. Man kann Brechts Gedankengut auf viele Erscheinungen der Realität durch die Zeiten hindurch übertragen. Das macht seine Größe aus. Man sollte Brecht nicht eng und einseitig als kommunistischen Autor sehen.

Damals wußte man halt weniger als heute. Marx würde heute auch anders schreiben. Inzwischen sind hundert Jahre vergangen.

Sie haben in Frankreich Ende der 80er Jahre den Moliere-Preis für beste Schau-spielleistung erhalten, nach Ihren welt- weiten Erfolgen der Kurt-Weill-Abende.

Wurde Ihnen von deutschen Kritikern Ihr weitgespannter Weill-Bogen von Berlin über Paris bis zum Broadway verübelt? Haben Sie vielleicht an einem kommunistischen Denkmal, dem deutschen Brecht/Weill gerüttelt?

Erst einmal habe ich 1987 den Moliere-Preis (den franz. Schauspielpreis) für meine Darstellung der Sally Bowles in Cabaret erhalten.
Ute Lemper, privat
Foto: Arma

Deutsche Journalisten schreiben subjektiv mehr über Vergleiche mit Ihnen und z.B. Liza Minelli, Marlene Dietrich, oder das Mädchen aus Münster, anstatt objektiv über Ihre Erfolge in den Weltmetropolen, Ihre internationalen Auszeichnungen und Preise. Stört Sie diese enge Berichterstattung?

Bleiben wir bitte bei der Kunst.
In Paris, als ich die Sally Bowles gespielt habe, hat mich, nach meiner Erinnerung, niemand mit Liza Minelli verglichen. Liza kam zur Premiere und beglückwünschte mich, wie ich die Sally interpretierte. Zur Zeit laufen die Proben für den "Blauen Engel". Zadek und ich arbeiten und entwickeln die Lola Kröhlich, die ich hier in Berlin spiele. Lola Kröhlich ist eine Romanfigur aus "Professor Unrat" von Heinrich Mann. Der Film mit Marlene Dietrich war nur ein 10%-iger Ausschnitt vom Roman. In dieser Musiktheater Aufführung sehe ich mich als Schauspielerin, die ein gewisses

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