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Ute
Lemper im Gespräch mit Armin H. Eilenberg |
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Gesellschaftsmagazin |
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Stück, eine gewisse Rolle spielt. Es geht um diesen Roman und die heutige Bearbeitung von Tankred Dorst, die hat nichts mit dem Film zu tun. Natürlich gibt es in der Handlung Parallelen. Aber die Geschichte ist viel mehr weiterentwickelt und viel mehr dem Roman verpflichtet.
Unsere
Zusammenarbeit ist kreativ, sie ist wunderbar. Er hat einen riesigen Erfahrungsschatz,
hier bleibt kein Spielraum für Probleme.
Er überläßt es mir und sagt manchmal "mach mal", und dann ist seine Kritik konstruktiv, nie destruktiv. Es ist eine wunderbare Arbeit, in die ich direkt verliebt bin, in die Arbeit, in die Gestaltung der Lola Kröhlich. Ich glaube, bei der Arbeit mit Zadek werde ich erstmals die Spielszenen im Theater lieben, weil er mich richtig an die Arbeit heranführt. Und die "Theaterfamilie", die wir sind, ist gerade das, was mir mal wieder gefehlt hat, mal wieder in ein Ensemble einzutreten und darin aufzugehen, daß man sich anpackt, sich riecht und einander spürt, miteinander lacht und heult.
In den
20er Jahren hat der Marxist Brecht (Anm.
Kom-munist) anders geschrieben, als in den 30er Jahren. Er mußte
jeweils anders schreiben, aufgrund der Erfah-rungen des ersten Weltkrieges,
und nach 1945, auf-grund seiner Erfahrungen des zweiten Weltkrieges
(Anm. Redaktion: Er verleugnete seine " kommunistische Einstellung", für eine Genehmigung der Aufführungsrechte der "Dreigroschen Oper" in den USA). |
Er stellte sich auf die Seite des sozialistischen Teil von Deutschland, mit
seiner Hoffnung, es würde das bessere Deutschland werden. Inzwischen hat
sich vieles als Utopie erwiesen. Aber ich glaube, Brechts Liedertexte sind so
philosophisch und so allgemeingültig von der Essenz her, vom humanistischen
Anliegen, daß sie heutzutage übertragbar sind auf aktuelle Systeme
(Anm.:siehe Schlußnote
>soz.Entropie<, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny), auf
gesellschaftliche Situationen, wo diktatorische Symptome herrschen, sie sind
übertragbar auf die Stasi, auf die Hierarchie und auf das ausgebeutet sein
in der sozialistischen Gesellschaft, wie auf die kapitalistische. Sie lassen
sich auf alles übertragen, wo Druckmaßnahmen und Terror herrschen,
auf Situationen, wo Menschen sich selbst entfremdet sind, weil sie gewissen
Symptomen von Kapital oder von Erziehung oder ähnlichem dienen müssen.
Man kann Brechts Gedankengut auf viele Erscheinungen der Realität durch
die Zeiten hindurch übertragen. Das macht seine Größe aus. Man
sollte Brecht nicht eng und einseitig als kommunistischen Autor sehen. Damals wußte man halt weniger als heute. Marx würde heute auch anders schreiben. Inzwischen sind hundert Jahre vergangen. Erst einmal habe ich 1987 den Moliere-Preis (den franz. Schauspielpreis) für meine Darstellung der Sally Bowles in Cabaret erhalten. |
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Ute Lemper, privat Foto: Arma |
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