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Ute Lemper
im Gespräch mit
Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin
Ute Lemper als Gless
Ute Lemper als Gless mit Jonathan Zacci
Ute Lemper als Gless der Wien. Dreihundert Vor-stellungen im Jahr, Cat's, da hatte ich die Nase voll.
Ich konnte einfach nicht mehr. Es war für mich schrecklich, täglich dasselbe zu tun, mit großer körperlicher Anstren-gung.

Und wie sah Ihre Erlösung aus?

1984 ging ich nach Berlin, ans Theater des Westens und spielte Peter Pan. Das war eine Erlösung, nach diesem Rum-krabbeln als Katze, ich hatte schon Katzenalpträume,
konnte ich endlich diesen
Ute Lemper (l. + r.)
als Gless in dem Film
"Quand la raison dort"
>Wenn die Vernunft schläft<.
Produzent: Marcin Ziebinski,
mit Jonathan Zacci, o.)

kleinen frechen Jungen hier in Berlin spielen.

War Berlin für Sie ein neuer Anreiz?

Berlin habe ich als aggressive und kreative und wahrhaftige Stadt erlebt. Ich merkte schnell, daß mir mehr an Berlin lag, wo ich neue Impulse verspürte, als in diesem Wien, wo nostalgische Bürger in sich Illusionen von Theater trugen, die überhaupt nicht mehr zeitgemäß sind.
Es war ein Erlebnis, hier in Berlin in die Schau-bühne zu gehen, mir tolle Aufführungen anzu-kucken und Theater zu sehen, das eine Herb-heit hatte. Die Stadt gefiel mir, mit den vielen jungen Menschen und den verrückten Menschen, und auch weil hier die Kleinkunst stark gefragt ist, neben dem großen etablierten Theater.

Nach zwei Jahren, 1986, ging ich zu Ivan Nagel ans Staatstheater Stuttgart. Keine Musikrolle, sondern reines Schauspiel. Ich habe mit dem Regisseur Daniel Karassek 'Katzelmacher' von Faßbaender, und mit Jerome Savary zum ersten-mal das Stück 'Bye-Bye Showbiz' gespielt.
es hieß "sei still". Das war für mich der größte Freiheitsentzug. Ich war auch in meinem emotio-nalen Leben sehr wild, hatte Freunde, hatte Spaß auf verrückte Sachen, aufs Ausgehen, Spaß am Spaß. Mit der frohen Ausgelassenheit bekam ich ziemliche Probleme und war unheimlich froh, aus dieser ganzen autoritären, hemmenden und beengenden Welt herauszukommen. Ja, ich bin auf das Reinhardt-Seminar gegangen und erlebte eineinhalb Jahre eine schöpferische und auf-regende Zeit in dieser Schauspielfamilie. Es war die erste Konfrontation mit mir. Mit meiner Person. Ich stellte mir die Fragen: Wer bin ich. Was will ich. Warum mache ich das, usw. Ich stellte mir dort all die existentiellen Fragen, die beim Tanzen nicht aufkamen. Als Schauspielerin wird man mit diesen Fragen konfrontiert und muß sich ihnen entgegenstellen.

Wann setzten Sie Ihre
Erfahrungswerte beruflich ein?

Meinen Einstieg empfand ich als das Anstren-gendste was ich bisher gemacht habe. Peter Weck engagierte mich für "Cat's" im Theater an

Was taten Sie nach der Aufnahmeprüfung?

Gleich danach zog ich nach Wien.

Sie sind in den letzten 12 Jahren durch die ganze Welt gereist, wie ist Ihr Verhältnis zu ihrer Geburtsstadt Münster?

Ich war unheimlich froh, von Münster weg zu sein. Dort hatte ich so ziemlich alle, ca. 10, Ballettschulen abgeklappert, bei allen Gesang-lehrern der Stadt Unterricht genommen. Ich kannte die Musiker-, Rock- und Jazzszene, also drängte es mich an einen anderen Ort. Vielleicht war ich ein kleiner Rebell, richtig unleidlich, wild und manchmal unzähmbar, sehr zum Leid meiner Eltern, wie ich es heute sehe. Ich kann mich genau an diese bourgeoisien Samstag- und Sonntagabende erinnern. Da mußte die Sportschau im Fernsehen flimmern, Mutti kochte und ich war in meinem Zimmer. Die Wohnung war sowieso zu klein, ich sang und

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