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großer Gershwin- und Jazzliebhaber, und es war komischerweise diese Musik,
die mich in der Jugend angesprochen hat, obwohl mich meine Umwelt nicht in den
Jazz reingeboren oder mich manipuliert hat, es war eine natürliche Zunei-gung
zu dieser Musik, die auch meinem Körper gefiel.
Mit fünfzehn
Jahren gründete ich meine erste Jazzband. Wir muckten in kleinen Piano-Bars
in Münster, alles neben der Schule, außerdem habe ich bei einem Jazzchor
und einer Big-Band gesungen. Ich war stolz auf meine unglaubliche Energie. Meine
Hobbys, insgesamt elf, hatten alle einen Bezug zum Tanz und Gesang.
War es mehr Spaß
und Freude
als Anstrengung?
Es war nur Spaß und
Freude, es war nur die Leidenschaft, ohne Perspektive damals in den Beruf einzutreten.
Ich habe mich auf jede Tanz-, Ballettstunde, auf jedes Singen gefreut wie auf
Weihnachten. Es war auch das Abenteuer, mit einem Milieu von Menschen zusammenzukom-men,
die irgendwie Paradiesvögel waren und mir viel interessanter erschienen,
als die alltägli-chen, mit denen ich so zusammentraf und viel-fältiger,
als das relativ bürgerliche Leben, aus dem ich kam. Ich habe mich immer
dahin |
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geflüchtet. Am Stadttheater
in Münster spielte ich mit sechzehn in Jugendstücken, Operetten
und Musicals mit. Mir wurde schnell klar, daß in der Theaterwelt das
lag, was ich suchte. Andererseits hatte ich lange Zeit die Vorstel-lung, vielleicht
durch meine konventionelle Erziehung, daß ich nach dem Abitur studieren
würde, Sprachen oder ähnliches und dann vielleicht Lehrerin oder
Wissenschaftlerin, oder irgend etwas derartiges werden würde.
Wann haben Sie sich für
Ihre künstlerische Laufbahn entschieden?
Meine Vorentscheidung
fiel, als ich siebzehn wurde, vor fast 12 Jahren. Bei meiner Sommer-ferienreise
nach Salzburg besuchte ich die Musical-School von Susi Nicoletti. Sie unter-richtete
Tanz, Gesang und Musical. Im gleichen Jahr habe ich ein paar Straßen
weiter im Mozarteum, das Helmut Baumann damals leitete, ein Brecht-Seminar
besucht. Während meine Schulfreundinnen ihren Urlaub an son-nigen Stränden
verbrachten, habe ich in Salzburg schwer gearbeitet. Das war für mich
das Schönste. Ich kam oft völlig bleich und dünngesichtig aus
den Ferien zurück, war aber innerlich wahnsinnig ausgefüllt und
voller Ideen und Visionen. Damals lobte man mein |
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Talent, das gab mir
ungeheure Kraft und ich glaubte, es auch zu spüren. Irgendwie gelingt
mir manches besser als anderen, manches auch schlechter, aber es gibt etwas,
in dem ich mich bestätigen und finden kann.
Mit achtzehn,
als ich mein Abitur machte, war mir plötzlich klar, daß ich nicht
auf die Univer-sität, sondern auf die Schauspielschule gehen würde.
Das "missing link" zwischen Gesang und Tanz, um beide miteinander
zu verbinden, war die Entwicklung von Persönlichkeit und von einer
Identität, die es ermöglicht, eine Rolle total zu spielen. Das
liegt nicht nur an den Fähigkeiten, daß man es kann, sondern,
daß man mit dem ganzen Herzen gibt und eine Basis, eine Quelle. Susi
Nicoletti empfahl mir, mich in Wien am Reinhardt-Seminar zu bewer-ben, wo
sie selbst unterrichtete. Für die Auf-nahmeprüfung studierte ich
die "Julia" von Shakespeare, die "Heilige Johanna der Schlachthöfe"
von Brecht und "Die Heirat" von Gogol ein. Es war nicht erlaubt,
Lyrik vorzu-tragen, aber ich wollte unbedingt ein Stück von Rilke spielen.
Es hieß "Die Blinde", also spielte ich ein Blinde.
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