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Aber da gibt es doch die
ellenlangen Berichte in den Print-
und Elektronischen-Medien über Sehnenrisse der Sportler, neue Lidschatten, aufregende Skimoden, alles was "In" ist.
Wie stehen Sie dazu?

Ich bin für banale, alltägliche Problemstellun-gen überhaupt nicht zu haben, ich habe in meinem Leben keine Zeit zu vergeuden, auch nicht für "small talk", warum trägst Du rote Schuhe zum grünen Kleid, oder brauchen Sie soviel Salz auf ihren Salat, etc. etc. Ich antworte nicht auf Redewendungen, die mich nicht inte-ressieren.

Wir kennen Sie in Deutschland kaum als hart arbeitenden Star. Wie würden Sie sich als Mensch selbst beschreiben?

Ich denke, ich bin ein absolut zeitgenössischer Mensch. Ich lebe im Heute, bin offen und interessiert. Ich habe zu allem, überall eine Meinung und eine Position. Nur deshalb bin ich auf der Bühne. Das spielt alles zusammen. Wenn ich Weill oder Brecht singe, dann singe ich das so, weil ich meine, das und das passiert in unserer Zeit, in unserer Welt, in unserer Gesellschaft und das will ich aussagen.

Meine Aggressivität ist eine konkrete Aggres-sivität, nicht eine willkürliche.
Und deshalb bin ich so.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ute Lemper
im Gespräch mit
Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin

Zwei Monate probte ich in der Ballettcompanie von Béjart in Lausanne.
Das Ballett wurde im Palais de Congrés, in Paris uraufgeführt. Gianni Versace, mein langjähriger Lieblingsmodeschöpfer, hatte die Kostüme entworfen.
Bei Béjart habe ich die Bolero-Choreographie getanzt, aber in der Rolle der Salome. Nach zehn Minuten war ich völlig erschöpft und meine Lunge ganz woanders als in meinem Brustkorb. Danach ließ er mich noch das Finale von "Salome" und Ausschnitte aus "Lulu" von Alban Berg singen.

Sind Sie in den klassischen Bereich übergegangen?

Nie im Leben hatte ich daran gedacht, klassisch zu singen. Innerhalb von drei Monaten habe ich es geschafft, habe bis zum "c" und "d" herum-geträllert, mit großer Freude an der Sache. Ich habe Lust bekommen, weiter daran zu arbeiten.

Was tun Sie in Ihrer sicher sehr kurz bemessenen Freizeit?

Ich interessiere mich stark für das politische Leben, das, was in der Welt passiert. Im Fern-sehen sehe ich mir Reportagen an, und in wel-chem Land ich immer bin, die Nachrichten, um so festzustellen, wie verschieden die Darstellungen ein und des selben Sachverhalts sind. Ich lese Zeitungen mit dem gleichen Ergebnis.
Im Moment bin ich nicht in der Lage, irgend einen Roman in die Hand zu nehmen, denn die Geschichte ist so akut, so wechselhaft und so überwältigend. Nicht einmal die Kunst kann das verarbeiten, sich so umfassend interpretativ zu äußern. Gerade jetzt interessiert mich das "lebende Theater", das, was jeden Tag passiert (oder nicht passiert: Beschlüsse zum dringlich-sten Umweltschutz, die hinaus geschoben werden), will ich sehen und erfahren. Was passiert mit Berlin, was passiert mit der Welt, erhalten wir unsere Mutter Erde lebenswert für künftige Generationen, was passiert mit dem Ostblock, mit Amerika, mit Israel, mit den Paläs-tinensern, das ist was mich zur Zeit interessiert.

Sie proben in Berlin für den "Blauen Engel" und haben Ihre Herbsttournee so gut wie fertig?

Meine Herbsttournee heißt "Paris - Berlin -
New York". Ich singe Lieder aus den 20er Jahren in Berlin, kein Weill/Brecht, sondern mehr Hol-länder und Tucholsky, die französische Zeit um 1940 - 60, also Greco, Montand und Piaf, dann die amerikanische Zeit zwischen Duke Ellington und Cole Porter. Das Ganze will ich in eine Chore-ographie einbetten. In zwei Wochen beginnen wir mit den Plattenaufnahmen.

Sie tanzten bei Béjart die berühmte Bolero-Choreographie, zehrt das nicht an Ihren Kräften?

Im letzten Jahr gab es für mich das sehr interes-sante Projekt mit Maurice Bejart. Er hat für mich
Ute Lemper "La mort subite"
Ute Lemper im  Figaro Magazin, Madame, Paris
Ballett "La mort subite" kreiert für
Ute Lemper, von Maurice Béjart
das Ballett " La mort subtile" kreiert. Es handelt sich um eine Frau, die sieben Tode stirbt, also Pentisilea, Salome, Lulu, Mutter Courage usw., alles Figuren aus der Literatur.
Die Weltpresseu.a. Madame-Figaro (o.), Paris, veröffentlichte 1/1 Illu-Seiten zu den Proben von Ute Lemper als Lola im "Blauen Engel", Berlin. In der deutschen Presse erschienen magere "Fünfzeiler. "

Ute Lemper
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