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immer
wieder das Risiko ein, die Säle nicht zu füllen. Ich will einfach
rigoros sein.
Sie wollen rigoros sein?
Die Helmut Newton Fotos von Ihnen sind aufregend. Würden Sie sich in
einer Charakterrolle auf der Bühne nackt ausziehen?
Nein.
Weil ich meinen Körper so subtil finde - in all seinen Details, er
hat so viele Ecken und Kan-ten, die nur mir gehören.
"Ich bin mein Beruf"
haben Sie gesagt. Denken Sie, daß ein solcher Beruf, oder in Ihrem
Fall eine solche Berufung Sie ein Leben lang erfüllen wird, oder möchten
Sie in der Zukunft Kinder haben?
Ja,
natürlich habe ich über Kinder oder über ein eigenes Kind
nachgedacht. Einmal, weil die Body-Clock tickt. Mit 25 habe ich gemerkt,
da ist etwas, das ich möchte. Irgendwas, was mein Körper, was
ich, was meine Seele verlangt. Und dann habe ich sehr überlegt. Ich
war nahe dran zu entscheiden, jetzt möchte ich eine Familie haben und
einfach als Frau existieren. Durch einige Schicksalsumstände habe ich
mich dann in einem Moment dagegen entschieden, und heute (1992)
bin ich froh, daß ich unabhängig geblieben bin, mit 28, mich
der Kunst voll widmen kann und das Leben einer freien unabhängigen
Frau führe. Ich lebe mit einem Mann, aber ich will einfach diese Freiheit
haben, meinen Tagesrhytmus zu bestimmen. Das brauche ich für meine
Arbeit. Ich muß in der Nacht um 2:00 Uhr anfangen können zu arbeiten
und durch bis morgens um acht. Ich habe mit 28 so ein berufliches Glück,
das ich nicht vergeuden will, ich möchte das jetzt noch ein paar Jahre,
mit viel Arbeitseinsatz durch-leben. Das ginge nicht, wenn ich Kinder hätte.
Für Kinder muß die Mutter voll dasein. Ich liebe
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Sie arbeiten seit Mitte
1991 an einer für Sie völlig neuen Musikrichtung?
Ich war Feuer und Flamme,
als mir Michael Nymann, Komponist von allen Greenway-Filmen, anbot, mit
ihm zusammen zu arbeiten. In dem Greenway Film "Prospero's Books"
habe ich gesungen. In seinem Mozart-Film für die BBC spielte ich den
Mozart. Es ging um die zeitgenös-sische Bearbeitung des Themas. Er
kreierte für mich einen Liederzyklus, mit Texten von Paul Celan und
Rimbaud, diese, unsere dritte gemein-same Arbeit wurde auf Tonträger
aufgenommen.
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Kinder und
ich weiß, daß ich auch genügend Genero-sität und Liebe
habe, um meinem Kind Gebor-genheit zu geben, und ich freue mich auf den Zeitpunkt,
wenn es sein wird.
In Ihren 5 Filmen "L'Autrichienne",
"Prospero's Books", "Pierre qui brule", "Moskauparade","Wenn
die Vernunft schläft", hatten Sie drei Drehorte im Ostblock, wie
war es in Rußland?
Im schönen Sommer
1991 war ich 6 Wochen in Moskau, eine Woche vor dem Putsch. Überall standen
noch Lenin- und Stalin-Büsten und die ruhmvollen russi-schen Denkmäler.
Ich wohnte die ganze Zeit in einer Wohnung ohne einen Tropfen heißes
Wasser. Einmal im Jahr, im Sommer, werden im gesamten Stadtbezirk die Rohre
repariert. Dort liefen die Dreharbeiten für den russisch-französi-schen
Beitrag zum diesjährigen Filmfestival in Cannes. Es war interessant,
als einzige Ausländerin mit den Russen in den alten Mosfilm-Studios einen
Film, "Moskau Parade", mit Ivan Dirko-witschni und mit Fadim Yusuf
als Kameramann, zu drehen. Der Film erzählt die Geschichte des Stalinismus
um 1939, während des Hitler-Stalin-Paktes. Ich spielte eine Aristokratin,
die ihr feudales Leben weiterlebt, nur weil sie einen Stalinisten geheiratet
hatte. Eine Liebes-affäre mit einem Schriftsteller, dem der Prozeß
gemacht wurde, gipfelte in ihre gemeinsame Flucht.
Nach Moskau hatte ich zwei Monate Drehtage in Warschau, für den Film
"Quand La Raison Dort" (Wenn die Zukunft schläft), Produzent:
Marcin Ziebinski, ich spiele die Gless. Es ist eine Intrigen-geschichte, die
im 18. Jahrhundert spielt. Der polnisch-französische Film kommt in diesem
Jahr zur Woche der Kritik nach Cannes.
Haben Sie einen Film über
Edith Piaf gedreht?
Nach den 3,5 Monaten
im Ostblock drehte ich in den Straßen von Paris einen Film über
Edith Piaf, ich singe darin Lieder der Piaf, für das englischen Fernsehen.
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